Historisches

Geschichte von Spillern

Um 1230 wurde der Ort erstmals erwähnt: ein Dietmarus de Spillarn bezeugte in einer Göttweiger Urkunde betreffend einer Erbschaft in Pettendorf. Ein typischer Rechtsakt der Zeit, wobei Kleinadelige der Umgebung als Zeugen auftreten. Dietmarus war offenbar Grundbesitzer oder Verwalter der Gegend östlich von Stockerau.

Zu diesem Zeitpunkt besaßen sowohl die babenbergischen Herzöge wie das einflußreiche Geschlecht der Grafen von Hardegg Güter im Raum von Spillern, vielleicht war Dietmarus deren Dienstmann . Sein Wohnsitz bzw. sein befestigtes Haus mag an der Stelle des heutigen Forsthauses gestanden haben. Später gehörten den Herren von Maissau fünf Hofstätten und eine Badestube in Spillern.

Schwierig zu deuten ist der Name des Ortes, eine Ableitung von einem Personennamen (Spillo) am wahrscheinlichsten. Umgangssprachlich nennen sich die Spillerner ja "Spillinger", was auf einen althochdeutschen -ing- Namen hindeuten könnte.

Im Spätmittelalter unterstand der Ort der Herrschaft Kreuzenstein, wirtschaftlich dem "Kastenamt" (Getreidehandel) in Stockerau. Verschiedene Adelige und das Stift Klosterneuburg hatten Besitz in Spillern.

Im 16. Jahrhundert wurden die bedeutenden Herren von Zelking Grundbesitzer, wobei Spillern von Schloß Sierndorf aus verwaltet wurde. 1590 hatten die Zelkinger in Spillern 47 Untertanen, die weiteren Bewohner unterstanden anderen Adeligen, die typische Verwaltungs- und Wirtschaftsform der Zeit. Damals wurden ein Schafflerhof und ein Jägerhaus genannt. Der Hofwirt durfte zwischen Georgi und Michaeli (24. April und 29. September) ausschenken. Neben Getreide- und Viehwirtschaft beschäftigten sich die Spillinger auch mit dem Anbau von Hopfen, welcher in das Brauhaus Sierndorf geliefert werden musste. 1685 erwarben die Grafen von Gurland Besitzungen in Spillern. Der ganze Ort kam schließlich 1755 durch Kauf der gesamten Herrschaft Sierndorf an die Grafen Colloredo.

1831 ist in Spillern die Maria-Hilf-Kapelle fertig gestellt worden. Johann Michael Harmer hatte wesentlich zur Errichtung dieser Filialkirche beigetragen. Der 1750 errichtete Vorgängerbau war noch aus Holz gewesen.

Eine wesentliche Veränderung des Ortsbildes bedeutete die Errichtung der Eisenbahn in den Jahren 1841/42. Der besondere Vorteil dieser Schüttung war der Hochwasserschutz für die Ortschaft. Die technische Revolution hinterließ auch in Spillern deutliche Spuren: 1855 erhielt Leopold Harmer die Konzession zum Brandweinbrennergewerbe. Neben dem Spiritus wurden bald Presshefe und Pottasche erzeugt. Spillern war damit zum Industrieort geworden. Die Objekte der Firma Harmer stellen heute ein wertvolles industriegeschichtliches Denkmal dar.

Im Jahr nach der Revolution von 1848 wurden Ortsgemeinde im heutigen Sinn geschaffen. Spillern und Grafendorf  bildeten eine solche, wobei ein Anschluss an Stockerau erwogen wurde, was am Widerstand der Bevölkerung scheiterte.

Selbstständige Gemeinde wurde Spillern schließlich 1883, das ebenso nun selbstständige Grafendorf fiel 1893 an Stockerau.

Bereits 1852 hatte Spillern eine neue Schule bekommen (seit 1791 waren die Kinder unter einfachsten Bedingungen unterrichtet worden), die 40 Jahre später aufgestockt wurde.

Durch die zunehmende Bedeutung des Ortes zwischen Korneuburg und Stockerau als Industrie und Gewerbestandort stieg auch die Bevölkerung: Das Zeilendorf (Häuser nur auf einer Straßenseite) entwickelte sich zu einem richtigen Straßendorf. Der Raum zwischen der heutigen Bundesstraße und der Bahnlinie wurde nun verbaut.

Spillern war eine kleine Gemeinde, deren wirtschaftliche Grundlage sich mehr und mehr von der Landwirtschaft zur Industrie wandelte. Politisch fand eine Pararellentwicklung satt, wobei in der politisch zerrütten Zwischenkriegszeit mehrfach Auseinandersetzungen zwischen den rivalisierenden Parteien stattfanden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg herrschte rege Bautätigkeit, wobei der Ort nach Osten und Süden erweitert wurden. Besonders die Einfamilienhäuser entlang der Parkstrasse und am Neubau sind zu erwähnen. Auch entstanden neue gewerbliche und industrielle Betriebe.

1964 wurde Spillern Pfarre und schon ein Jahr später wurde die neue Kirche geweiht. Die Filialkirche Maria-Hilf dient seit damals der evangelischen Gemeinde.

Immer wieder war Spillern von Katastrophen heim gesucht worden: Viele kriegerische Ereignisse sind hier zu nennen: so Schweden, Türken oder Franzosen. 1945 lag Spillern nahe der Frontlinie.

Besonders aber die Donau hatte den Ort wiederholt bedroht: 1787, 1830, 1892, 1897, 1899, 1954 und 1965. Doch lassen wir wegen der Unmittelbarkeit eine Zeitungsstimme sprechen; der "niederösterreichische Volksbote" vom 7. August 1954 schrieb:

"Die gewaltigen Hochwasserfluten drängten am 12. Juli von drei Seiten an die geschützten Dämme der Gemeinde Spillern heran und drohten sie zu durchbrechen. In der Stunde der höchsten Gefahr rief der Bürgermeister Karl Wimmer und Vizebürgermeister Edmund Stöger die Bevölkerung von Spillern zum Kampf gegen das wütende Element auf,. In einen nervenaufreibenden Ringen, das eine Woche lang Tag und Nacht gegen die heranstürmenden Fluten geführt wurde, sahen wir Bürgermeister und Vizebürgermeister in den vordersten Reihen stehen. 12.000 Sandsäcke wurden zur Stützung der Dämme verlegt. An einigen Stellen drohten die Dämme Nachts zu brechen; dann sah man im gespenstischen Schein der Fackeln alles, was nur Hände regen konnte, die schweren Sandsäcke an den Gefahrenstellen auftürmen. Da schleppten zarte Hausfrauen Lasten, dort trugen die braven Gendarmen von Spillern was volle Manneskraft in ununterbrochenem Dienst leisten konnte und dort stemmten sich unsere nimmermüden Feuerwehrmänner mit den Kameraden aus Unterrohrbach, Oberrohrbach und Kleinwilfersdorf den Fluten entgegen. Alle waren sie eins in  den Stunden. Die Gemeinde war in Gefahr Es mussten die zerstörenden grausamen Fluten in den Dämmen gehalten werden. Endlich konnte diese vorbildliche Gemeinschaft den fürchterlichen nassen Feind in den Schranken halten und eine Katastrophe verhindern"
Seuchen und Feuer hatten der Bevölkerung ebenfalls mehrfach hart zugesetzt. Die Gründung der Feuerwehr stellte somit einen wesentlichen Sicherheitsfaktor dar.

Heute präsentiert sich Spillern als moderne Gemeinde, Lebensqualität und wirtschaftliche Interessen harmonisieren. Ortsbildpflege und Verbesserungen der Infrastruktur sind ständiges Anliegen von Gemeinde und Bevölkerung. Entsprechende Freizeiteinrichtungen wurden ebenso geschaffen, wie verkehrsberuhigende Maßnahmen gesetzt.

Die Idee Freiwillige Feuerwehr

Die Notwendigkeit einer leistungsfähigen Hilfeleistungsorganisation hängt mit der jeweiligen technischen und gesellschaftlichen Entwicklung zusammen. Vor der technischen Revolution des 19. Jahrhunderts kam man mit Nachbarschaftshilfe zurecht. Kam es zur Katastrophe, improvisierte man Hilfsmaßnahmen. Die Zahl von Bränden und Unglücken war vergleichsweise gering, doch wenn es zu einem Notfall kam, hatte dieser meist verheerende Folgen. in den städtischen Siedlungen wurden Brandschutzmaßnahmen als Verordnung durchgesetzt (Feuerordnung), wobei besonders dem vorbeugenden Brandschutz Beachtung geschenkt wurde. in ländlichen Gegenden brachte erst die Josephinische Feuerordnung von 1782 Organisation in den Brandschutz. Die zunehmende Technisierung und damit die Entstehung von Ballungszentren machte eine einschneidende Verbesserung des Brand- und Katastrophenschutzes notwendig. Bezahlte Hilfskräfte wie die Feuerknechte der Stadt Wien, waren sehr kostenintensiv, die Nachbarschaftshilfe alleine aber zu wenig.

Nachteilig wirkte sich auch das fehlen entsprechender Löschgeräte aus: Löscheimer, Stockspritzen und verschiedene Einreißwerkzeuge bildeten oft die ganze Ausrüstung. Um 1800 wurden die ersten leistungsfähigen Fahrspritzen gebaut. Hatte nun die Gemeinde ein solches Gerät, musste eine Bedienungsmannschaft gefunden werden. Diese Spritzenmänner unterstanden einem Gemeindeorgan, dem Feuerkommissar (eine derartige Löschanstalt gab es z.B. in Korneuburg). der Organisationsgrad stieg ständig Trotzdem war die Effizienz zu gering. Die Idee, ähnlich der Land- und Bürgerwehren der napoleonischen Kriege, eine kommunale Hilfstruppe aufzustellen, scheiterte am absolutistischen Staat, der jede Gruppen- oder Vereinsbildung ablehnend gegenüberstand. in einigen liberaleren deutschen Staaten wurden in den 40ger Jahren des 19. Jahrhunderts Feuerwehren auf ehrenamtlicher Basis gebildet. Diese Einrichtungen hatten auf Österreich Vorbildwirkung: Kaum wurden die strengen Gesetze des Metternich´schen Staates gelockert, versuchten einige um das Gemeinwohl besorgte Bürger Feuerwehren nach deutschem Muster zu gründen (z.B. Stockerau 1857). Der endgültige Durchbruch erfolgte erst im Jahr 1867, als ein neues Vereinsgesetzt erlassen wurde. Diese Freiwilligen Feuerwehren waren wohl eine Gemeindeeinrichtung, wurden aber als Verein geführt. Die Feuerpolizeiordnung für Niederösterreich aus dem Jahr 1870 sah dann schon die Bildung von Feuerwehren für Gemeinden über 50 Häuser vor.

Die Gründung

Die näheren Umstände der Gründung der FF Spillern sind nicht bekannt, da sämtliche Archivalien dieser Zeit bereits 1928 als verloren bezeichnet wurden. Eines ist aber sicher - die Feuerpolizeiordnung von 1870 sah auch für Spillern eine Feuerwehr vor - in den benachbarten Orten Stockerau und Grafendorf wurden bereits 1867 und 1869 derartige Einrichtungen geschaffen.

Um 1870 dürften sich die Bürger von Spillern Gedanken über eine Feuerwehr gemacht haben. Dieses Jahr wurde noch 1895 als Gründungsjahr angenommen (25jähriges Gründungsfest am 21. Juli 1895). Nach der Tradition wurde die Feuerwehr schließlich 1872 gegründet. Ein weiterer Hinweis deutet auf das Jahr 1873 hin. Die vereinsrechtliche Genehmigung der "Freiwilligen Feuerwehr in Spillern" erfolgte schließlich am 3. August 1876 durch die k. u. k. Niederösterreichische Stadthalterei, nachdem die Feuerwehr am 20. Juli dieses Jahres um die "Nichtuntersagung" angesucht hatte. Bei vielen Feuerwehren zeigt sich dieses Phänomen: Die Feuerwehr wurde gegründet, aber nicht als Verein genehmigt. Der Grund dafür war entweder die rechtliche Unwissenheit (was bei den damaligen Informationsmöglichkeiten verständlich ist) oder die Auffassung, daß die Feuerwehr Gemeindesache sei. 1872 begann aber die regelmäßige Arbeit der Feuerwehr: Gastwirt Johann Lutz wurde zum ersten Hauptmann gewählt. Der Gründungskommandant war ein richtiger "Feuerwehrpionier": Als er die FF Spillern gründete, hatte er bereits zehn Dienstjahre bei der Berufsfeuerwehr hinter sich (auf diesen Umstand wurde immer wieder in den Zeitungen hingewiesen). Engagiert setzte er sich für die Feuerwehr ein, wofür ihm hohe Anerkennung gezollt wurde. Auch rettete er einigen Menschen das Leben.

Aufbau

Die Feuerwehrmänner aus Spillern waren engagiert am Werk: Die FF trat dem 1874 gegründeten Bezirksfeuerwehrverband Stockerau und dem Ersten Niederösterreichischen Feuerwehr - Unterstützungsverein bei.

Die Feuerwehr beteiligte sich am 25. April 1879 an einen Umzug anläßlich der Silberhochzeit des Kaiserpaares und war in die "7. Kompanie" gemeinsam mit Feuerwehren aus dem Raum Floridsdorf eingeteilt.

1886 war die Feuerwehr folgendermaßen organisiert: Hauptmann Johann Lutz, Hauptmannstellvertreter (der spätere Bürgermeister) Josef Schleps, Schriftführer, Kassier, Obmann und Stellvertreter der Wasserwehr, Spritzen-, Requisiten- und Exerziermeister, Rottenführer und ein "1.Steiger" (=Vorstand der Steigerrotte). Was die Wasserwehr betrifft, könnte es sich um eine Hochwasserschutz- und Zillenfahrergruppe gehandelt haben, doch wird es einige Jahre später ein Wasserversorgungs-Obmann genannt. Möglicherweise wird das Wort Wasserwehr nur mißverständlich gebraucht.

Als Uniformfarbe wurde Blau gewählt - man orientierte sich auch in Spillern an den Uniformen der Wiener Feuerwehr. An Gerät standen offenbar eine Landfahrspritze zur Verfügung. Bauern mussten für die Bereitstellung von Pferden sorgen. Alarmiert wurde die FF Spillern mittels eines Hornisten.
1885 gehörten der Feuerwehr 26 ausübende Mitglieder an, 1909 20 Mann. 1912 26 Mann. Im Jahr 1902 setzte sich die Feuerwehr aus drei Lehrern und Beamten, vier Angehörigen des Handels-, vier des Gewerbestandes, vier gewerblichen Gehilfen und sechs Beschäftigten in bäuerlichen Berufen zusammen.

Die erste Erwähnung der Feuerwehr nach den Kriegsjahren des ersten Weltkrieges findet sich aus dem Jahre 1922: 160 Mann von 15 Feuerwehren kamen zur 50 - Jahr Feier der FF Spillern. Damals zählte die Wehr 29 aktiven Mitglieder und eine steigende Zahl von Unterstützern.
Besonders sorgfältig wurde immer die Wasserversorgung überprüft und bei Bedarf neue Brunnen angelegt. 1932 gab es acht derartige Wasserentnahmestellen. In der Zwischenkriegszeit konnten wesentliche technische Fortschritte erzielt werden: 1931 erhielt die Feuerwehr eine Motorspritze der Firma Knaust und einen Lkw Austro-Fiat.

Interessant auch die Spillerner Wasserwehr: Die immer wiederkehrenden Hochwässer erforderten gute Ausrüstung und Ausbildung. 1935 wurde eine neue Zille erworben.
In diesen Jahren bestand auch eine eigene Sanitätsabteilung, die 1924 und 1934 Sanitätsausrüstung anschaffte. Auch Krankentransporte nach Stockerau wurden durchgeführt, das Feuerwehrfahrzeug war offenbar dafür adaptiert worden. 1934 wurden auf diese Weise immerhin 14 Kranke oder Verletzte abtransportiert. Das Rote Kreuz, dem die FF Spillern angehörte, untersagte schließlich diese wenig komfortable Form des Krankentransportes. Die Bevölkerung reagierte verärgert, funktionierte doch diese System im örtlichen Bereich schnell und unbürokratisch.

Die politischen Veränderungen im Ständestaat machten auch vor der FF Spillern nicht Halt, schon 1934 nahm man geschlossen bei einem Gedenkgottesdienst für den ermordeten Bundeskanzler Dollfuß teil, 1936 wurde das Einsatzfahrzeug an die Vaterländische Front verborgt und bei einer Fahrt zu einer Kundgebung beschädigt.

1938 - 1945

Mit der Annexion Österreichs durch das Deutsche Reich 1938 verlor auch die Feuerwehr ihre autonome Stellung sowie die vereinsrechtliche Grundlage. Der Gemeinde unterstellt, handelte es sich nun mehr um eine technische Hilfspolizeitruppe. Der Wehrführer hatte die Finanzgebarung an die Gemeinde abzutreten, nur die Kameradschaftskasse blieb erhalten.

Wenig ist über die Jahre bekannt, so war die FF Spillern 1941 bei einen Brand in der Raffinerie Korneuburg eingesetzt, ebenso bei einigen technischen Einsätzen. In die Feuerwehr Bereitschaft des Kreises Korneuburg (Zusammenfassung stärkerer Feuerwehrkräfte mit modernen Fahrzeugen für überörtliche Luftschutzeinsätze) war die FF Spillern nicht eingeteilt. Bei Kriegsende galt es im Ortsgebiet einige Brände zu bekämpfen.

Die Feuerwehr Spillern heute

Die Gemeinde Spillern zählt heute rund 1900 Einwohner, die in ca. 500 Häusern leben. Der Ort hat sich in den letzten 20 Jahren vergrößert, wobei speziell die Einfamilienhäuser das Bild prägen. Die Ansiedlung mehrerer Industriebetriebe schuf Arbeitsplätze.

Die Aufgaben der Freiwilligen Feuerwehr sind vielfältig: In erster Linie ist die Feuerwehr für den abwehrenden Brandschutz in der gesamten Gemeinde verantwortlich. Durch ein rasches Eingreifen kann meist eine Katerstrophe oder weit reichender Schaden verhindert werden. Die Technisierung machte die Feuerwehr zu einer besonderen Hilfstruppe: Nach Verkehrsunfällen werden die Verletzten zwar durch das Rote Kreuz versorgt und abtransportiert, die Befreiung eines eingeklemmten Unfallopfers, das frei machen der Straße und die Beseitigung von Umweltschäden (z.B. ausfließender Treibstoff oder Öl) obliegen der Feuerwehr. Mitunter muss diese auch die Erstversorgung der Verletzten vornehmen wenn sie vor der Rettungsorganisation eintrifft. Diese Aufgaben stellen heute die Hauptarbeit der Feuerwehr dar. Da die Feuerwehr nun für technische Hilfeleistung ausgerüstet ist, kommt sie auch in vielen anderen Bereichen zum Einsatz. Hilfeleistung nach Bauunfällen oder Stürmen, rasche Hilfe bei Notfällen in Wohnhäusern (Öffnen der Türen, Beseitigung von Schäden nach Wasserrohrbrüchen), Abtragen von morschen Bäumen oder Gerätbeistellung im Auftrag der Gemeinde.

Nicht zu vergessen sind Einsätze nach Hochwasser oder Gewitter. Evakuierungen, Bergungen von diversen Gütern oder Auspumpen von Kellern. Diese Arbeiten werden ausschließlich von Freiwilligen gemacht. Diese kommen aus den unterschiedlichsten Berufen, müssen aber für den Feuerwehrdienst Allround - Talente sein. Die Ausbildung ist universell, die Fülle der Aufgaben erfordern aber eine solide Ausbildung, die feuerwehrintern, auf Bezirks- und Landesebene geboten wird. Nur wer von der Idee Feuerwehr überzeugt ist, kann diesen Anforderungen nachkommen. "Nebenbei" müssen die Fahrzeuge und Geräte und das Feuerwehrhaus instand gehalten werden, ebenso werden Aufgaben des vorbeugenden Brandschutzes wahrgenommen (Feuerpolizeiliche Beschau, Bauverhandlungen).

Einsätze

Am 20. November 1887 brannte die Scheune des Wirtschaftsbesitzers Helfer. Rasch griff das Feuer auf das Objekt Lederer über. Gemeinsam mit den Feuerwehren Stockerau, Korneuburg und Leobendorf gelang es den Brand unter Kontrolle zu bringen. der Schaden war gering, doch gab es große Probleme durch Wassermangel.

1890 standen die Spillerner bei einem Großbrand in Grafendorf (Stockerau) im Einsatz. Ein Wirtschaftsgebäude wurde völlig vernichtet.

Besonders hart war aber der Hochwassereinsatz des Jahres 1897. Nach einem 80sündigen Dauerregen trat die Donau aus den Ufern: Die Dämme der Donauregulierung hielten nicht stand, der gesamte Ort wurde überflutet. 14 Häuser wurden völlig zerstört, 30 weitere schwer beschädigt. Die Gemeindevorstehung ersuchte die Feuerwehr um Intervention. Dammsicherungsarbeiten wurden bis zum Eintreffen der k. u. k. Armee durchgeführt, ebenso wurden Bewohner evakuiert und einige Häuser gepöltzt. Bürgermeister Josef Schleps sprach bei der darauf folgenden Dammreparatur mit der "Augenscheins-Kommission" des Landesausschusses und teilte ihr mit, daß der Damm bei Stockerau im Westen von Spillern nichts tauge. Trotzdem wurde der Damm nur geflickt. Als Dienstag, dem 12. September 1899, das Wasser wieder zu steigen begann, riss alsbald der Damm. Am Samstag nachmittags war unsere Ortschaft wieder überschwemmt. Jetzt stand die Gefahr vor Korneuburg: der gefährlichste Punkt beim Schliefbrückerl wurde von der Feuerwehr Korneuburg besetzt. Ab Donnerstag, 14. September, war der Bereitschaftsdienst schon im Einsatz. In Korneuburg selber hatte die dortige Feuerwehr von der Stadt zum Bahnhof einen Notsteg errichtet, Radfahrer besorgten den Nachrichtendienst, die Bahn wurde eingestellt. Die Arbeit war nicht vergebens: der Damm hielt und Korneuburg war gerettet. In Spillern aber wusste die Feuerwehr nicht, wo sie zu erst helfen sollte. Die Feuerwehr Spillern war schon früh mit Wasserdiensteinsätzen konfrontiert und scheint eine Wasserwehr aufgestellt zu haben.

1910 rückte die FF Spillern zweimal zu Bränden in die Ceresin - Fabrik aus. Nicht so einfach war der Einsatz bei einen Magazinsfeuer bei der Firma Jelinek in Stockerau. Vor acht Uhr abends ausgerückt, konnte die Feuerwehr erst nach vieler und schwerer Arbeit nach Mitternacht zurückkehren.
1911 war unser Feuerwehr meist Auswärts eingesetzt: sie hatte damals durch ihre Tüchtigkeit geglänzt, wurde sie doch nach einem Scheunenbrand in der Alten Au in Stockerau von den Offizieren der Stockerauer Garnison anerkennend gelobt.

In Spillern selber galt es kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges zwei Großbrande zu bekämpfen: Am 3. Dezember 1912 beim ersten von Spillern überlieferten Brand in der Harmer-Fabrik. Am 24. November 1913 brannte die Scheune des Gasthauses Penner. Es war Sonntagabend, viele Feuerwehrleute waren deswegen nicht im Ort anwesend, der Novembernebel macht das Feuer fast unsichtbar und erschwerten die Arbeit. Von der Firma Harmer wurden zwei Spritzen aus Stockerau per Telefon angefordert und der Brand konnte mit Mühe lokalisiert werden. Gemeinsam mit der Stockerauer Feuerwehr konnte der Brand schließlich gelöscht werden.

Beide Feuerwehren waren dann an 6. Mai 1914 im Einsatz: Der Notstall der Harmer´schen Fabrik wurde samt der benachbarten Scheune von Heinrich Gettinger vernichtet.
Im Sommer 1923 gab es wieder einen fürchterlichen Großbrand in Spillern. Das Dach des Viehstalles der Firma Gustav Harmer brannte um die Mittagszeit. Da der Brand in der Nähe der Spirituosenfabrik war, bemühte sich die Feuerwehr "noch viel rascher als sonst" an Ort und Stelle zu sein. Das Feuer war weit sichtbar und die Feuerwehr Stockerau erschien mit vier Zügen. Die Feuerwehren von Unter- und Oberrohrbach, Leobendorf und Wiesen eilten herbei und halfen. Die Korneuburger Wehr erlitt mit der Autospritze einen Defekt und konnte nicht mehr eingreifen.

Im Oktober 1925 brannte das Stalldach des Wirtschaftsbesitzers Josef Helfer.

1927, am 2. September, war die Feuerwehr in Unterrohrbach tätig, konnte aber auch nicht verhindern, daß die mit Ernte voll gestopfte Scheune des Mühlenbesitzers Johann Lischke vollständig eingeäschert wurde.

1928 beim Brand der Fleischselche im Gasthaus Penner, als der Hauptmann Anton Heller mit Nassen Decken und Wasser den Brand in wenigen Minuten löschte. Immerhin Hätte die kleine Flamme Ungeheuren Schaden anrichten können; so aber war nur das Fleisch verbrannt und daher ungenießbar.

Am 24. Juni 1941 brannte ein Fabrikgebäude der Mineralölfabrik in Korneuburg. Telephonisch angefordert blieb unsere Feuerwehr nur in Reservestellung, da sogar Wien mit Löschzügen Ausgerückt war. Etwa einen Monat später gab es Hochwasser in Unterrohrbach und im Juni 1942 hatte ein Sturm Bäume entwurzelt, die quer über die Strasse lagen. 1945 brannte das Haus Landstrasse Nr. 4 und die Baracke im Park.

Am 19. März 1946 brannte die Wolfsgrube in der Au.

Das wohl bedeutendste Ereignis der Nachkriegszeit war das Hochwasser im Juli 1954. Die Feuerwehr war Tag und Nacht im Einsatz. Unser Ort ging an einer Katastrophe vorbei. Lassen wir einige Zahlen sprechen. Unsere Feuerwehr leistete in den Tagen vom 9. bis 20. Juli 1954 mit einem Einsatz von durchschnittlich 8 bis 20 Mann fast 1800 Stunden an Arbeit. Holz musste aus der Au abgeführt werden, bei der Dammverstärkung in Stockerau wurde geholfen - natürlich, weil unser Ort bedroht war. Bei den Pumpen, die das durchsickernde Wasser zurückbefördern sollten und am Damm selber musste Wache gehalten werden.

Die Gefahr war vorübergegangen; doch 1965 kam - diesmal langsamer aber stetig steigend - das Hochwasser abermals. Wieder trat die Feuerwehr in Aktion, die Pumpen wurden aufgestellt. In der Lindenallee wurde ein Sand- und Schotterwall aufgeführt. Notstege wurden errichtet.

Feuerwehrhäuser

Seit der Gründung der Feuerwehr befanden sich Zeughaus, Depot oder Feuerwehrhäuser immer in der Bahnstraße. Ein kleines Gebäude diente der Unterbringung von Spritze und Geräten. 1926 wurde der Bau renoviert und eine neue Beschriftung angebracht, eine weitere Veränderung folgte 1934. Zwei Jahre später forderte das Feuerwehrkommando die Errichtung eines Schlauchturmes.

1948 wurde eine neuerliche Renovierung ins Auge gefasst, 1954 wurde dieser Wunsch Wirklichkeit. Über der Fahrzeughalle und dem Mannschaftsraum wurden Wohnungen errichtet und der Bau mit dem bestehenden Gemeindeamt verbunden.

Um der laufenden Vergrößerung des Fuhrparks und der Ausrüstung Rechnung zu tragen, wurde das Haus 1978 erweitert: Hofseitig wurde ein weiterer Fahrzeugabstellplatz, ein Mannschaftsraum, ein Büro und ein Schlauchturm errichtet - zum größten Teil in Eigenarbeit der Feuerwehrmänner.

1991 wurde mit dem Bau des neuen Feuerwehrhauses in der Landstrasse begonnen und am 26. Juni 1992 mit Prominenz aus Politik und Wirtschaft und der Partnerfeuerwehr aus Gavere (Belgien) feierlich Eröffnet.

 
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